16. Adventfenster

Adventkalender 2021 als Zusammenfassung von Giorgio Agambens Buch

„An welchem Punkt stehen wir? Die Epidemie als Politik“

16. Adventfenster – Zusammenfassung Kapitel 11  

„Die Wahrheit und die Lüge“

28.4.2020

Agamben sieht in all den Regierungsverordnungen massive Eingriffe in die Freiheitsrechte, die eigentlich nur durch formelle Gesetze beschlossen werden dürften.

Damit wird lt. Agamben ein Grundrecht massiv beschädigt, das in keiner staatlichen Verfassung verankert ist, nämlich das Recht auf Wahrheit, also eine wahre Antwort auf das Bedürfnis nach einem wahren Wort.

Die unerhörte Manipulation der individuellen Freiheiten und die universelle Falsifizierung der Wahrheit, wird nur deshalb von so vielen Menschen bedenkenlos akzeptiert, weil sie sich schon seit geraumer Zeit an Diskurse gewöhnt haben, die keinerlei Anspruch auf Wahrheit erheben.

Auch in den politischen Wahlkämpfen spielt die Wahrheit oder eine tiefe Überzeugung keine Rolle mehr. Diesmal geht es jedoch um unser ganzes Leben, um unsere tägliche Existenz.

Agamben kritisiert, was täglich passiert: die fehlende Wissenschaftlichkeit zB über die Zahl der Todesfälle, die nicht mit der Sterblichkeit und den Todesursachen der Vorjahre in Vergleich gesetzt werden. Oder zB die Missachtung der vorhandenen Vorerkrankungen und des Alters der Verstorbenen. Und dies, obwohl Daten vorhanden sind, die eine Überprüfung ermöglichen würden, jedoch willentlich ignoriert werden.

Agamben stellt fest, dass deshalb ausgewiesenen Unwahrheiten Glauben geschenkt und die Lüge für wahr gehalten wird, weil die Lüge so wie die Werbung keinen Hehl aus ihrer Unwahrheit macht.

So wie beim Ersten Weltkrieg, kann sich der Krieg gegen das Virus nur durch trügerische Argumente rechtfertigen.

Das bedeutet aber nichts Geringeres, als dass uns Menschen die Sprache als Ort der Offenbarung entzogen wird und uns Menschen nichts anderes mehr übrigbleibt, als der realen (deshalb wahren!) Entwicklung der Lüge stumm zuzusehen – außer es ist jeder von uns bereit, mutig und kompromisslos nach dem höchsten Gut, einem wahren Wort zu suchen.