21. Adventfenster

Adventkalender 2021 als Zusammenfassung von Giorgio Agambens Buch

„An welchem Punkt stehen wir? Die Epidemie als Politik“

21. Adventfenster – Zusammenfassung Kapitel 15

„Requiem für die Studierenden“

24.5.2020

Agamben kritisiert die Universitäten, welche die Pandemie als willkommenen Vorwand nutzen, um die massive Verbreitung digitaler Technologien zu beschleunigen.

Diese tiefe Veränderung der Didaktik, die Verbannung jeder sinnlichen Erfahrung durch den regen Austausch mit den anderen aus teils weit entfernten scholarii, der Verlust des Blicks und die dauerhafte Einsperrung in einen gespenstischen Bildschirm nennt Agamben technologische Barbareien, die das Ende eines jahrhundertealten Studentendaseins als Lebensform markieren: keine Hörsaal Freundschaften mehr, keine Forschungsgruppen die abseits der Vorlesungen zusammenkommen, keine lebendigen universitären Städte mehr.

Obwohl Agamben dies alles sehr bedauert, fällt es ihm nicht schwer, den von Korruption und akademischer Fachblindheit befallenen Universitäten, die das Leben der Studierenden schon dermaßen in Mitleidenschaft gezogen haben, nachzutrauern.

Agamben fordert die Professoren und die Studenten zum Widerstand auf:

  1. So wie die Professoren im Jahr 1931 einen Treueid auf Das faschistische System leisteten, rechnet Agamben damit, dass sich auch heute die Professoren scharenweise der neuen telematischen Diktatur unterwerfen werden.
  2. So wie die ersten Universitäten aus Studentenvereinigungen (den universitates) hervorgegangen sind, so sollen die Studierenden sich weigern zu inskribieren, sondern neue universitates gründen. Sie werden der einzige Ort sein, an dem der technologischen Barbarei getrotzt wird, die Worte der Vergangenheit weiterleben und eine neue Kultur entstehen kann.

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