22. Adventfenster

Adventkalender 2021 als Zusammenfassung von Giorgio Agambens Buch

„An welchem Punkt stehen wir? Die Epidemie als Politik“

22. Adventfenster – Zusammenfassung Kapitel 16

„Zwei schändliche Wörter“

10.7.2020

Agamben kritisiert, dass Menschen, die der allgegenwärtigen Angst zum Trotz nicht aufhören wollen selbständig zu denken, durch die Begriffe „Corona-Leugner“ und „Verschwörungstheoretiker“ in Verruf gebracht werden sollen.

Dem Begriff des Leugners will Agamben nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, denn dies führt zum verantwortungslosen Vergleich zwischen Epidemie und Judenvernichtung und bedient damit den nach wie vor in unserer Kultur sowohl im rechten wie im linken Lager verbreiteten Antisemitismus. Jüdische Freunde Agambens würden zu Recht eine Stellungnahme der jüdischen Glaubensgemeinschaft zu diesem terminologischen Missbrauch sehr begrüßen.

Agamben verweilt beim Begriff „Verschwörungstheoretiker“, da er von historischer Unkenntnis zeugt. Warum? Lt. Agamben zeigt uns die historische Forschungsarbeit, dass immer schon die eigenen Ziele einer bestimmten Strömung mit allen Mitteln verfolgt wurden.

Agamben möchte der Leserschaft aus unzähligen historischen Verschwörungen lediglich drei Beispiele unterschiedlicher Epochen nennen, die als Zäsur in die Geschichte eingegangen sind, da sie eine Epoche abrupt beendeten.

  1. Im Jahr 415 v.Chr. führt Alkibiades die Athener in einen Feldzug gegen Sizilien, der mit einer verheerenden Niederlage die Athener Vorherrschaft beendet. Die Gegner der Pläne Alkibiades nutzten die Verstümmelung der Statuen des Gottes Hermes, die sich kurz vor dem Auslaufen der Flotte ereignet hatte, um sich gegen Alkibiades zu verschwören und ihn in Abwesenheit wegen Religionsfrevels zum Tode zu verurteilen.
  2. Am 18. Brumaire VIII (dem 9.11.1799) schwor Napoleon Bonaparte der republikanischen Verfassung die Treue. Zeitgleich führte er einen Staatsstreich durch, um das Direktorium zu stürzen und sich zum Ersten Konsul zu ernennen. Damit markierte Napoleon das Ende der Französischen Revolution gegen den voraussichtlichen Widerstand des Rates der Fünfhundert.
  3. Am 28.10.1922 haben 25.000 Anhänger Mussolinis die Stadt Ancona in einer Art Generalprobe besetzt, dies obwohl offizielle Treffen zwischen Mussolini und anderen Gruppierungen stattfanden, um mögliche Bündnisse auszuloten.

Diese Beispiele zeigen, wie entschiedenes Handeln einiger Wenige den Lauf der Geschichte verändert. Natürlich spielen auch Faktoren wie Zufall und Schicksal eine Rolle, aber kein seriöser Historiker würde deshalb die Geschichte der Menschheit als eine Verkettung von Zufällen erklären.

Wer das Heute zu verstehen versucht, ist daher lt. Agamben kein Verschwörungstheoretiker. Es ist ein Zeichen der Dumm- und Unwissenheit, wenn gerade in Italien, dem Land der Intrigen und Geheimbünden, dem Land der Machenschaften aller Art, Menschen die versuchen, das was sich ereignet nachzuvollziehen, vorgeworfen wird Verschwörungstheoretiker zu sein.

Man ist lt. Agamben daher kein Verschwörungstheoretiker, nur weil man behauptet, dass diese Pandemie keineswegs unerwartet kam. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass Bill Gates tatsächlich der wichtigste Förderer der WHO ist und dass das Johns Hopkins Center for Health Security von der Stiftung Bill Gates schon 2019 eine Simulationsübung namens „Event 2021“ veranstaltete.

Will man die Gegenwart versuchen zu verstehen, muss man eben auch die Tatsache berücksichtigen, dass nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute Menschen ihre lauteren und unlauteren Ziele mit allen Mitteln verfolgen.